Vertrocknete Birkenblätter im Wald. Foto von Tim Taeger
Vertrocknete Maisfelder. Foto von Tim Taeger

Dieser Sommer war sehr groß. Und sehr, sehr heiß und trocken. In vielen Teilen Deutschland führte er regelrecht zur Dürre, Tiere und Pflanzen verdursteten. Tim von der Jagd- und Wildnisschule Jagwina hat das auf Instagram eindrücklich in Bildern festgehalten. Auch hier bei uns war es trocken, wenn auch nicht ganz so schlimm wie in Brandenburg. Dennoch hat es  mich nachdenklich gemacht. Ich habe aufgehört, Pflanzen zu sammeln und mich gefragt, warum ich eigentlich färbe? Welche Berechtigung habe ich dazu? Nehme ich nicht anderen Lebewesen, die diese Pflanze viel nötiger brauchen als ich etwas weg? Dieser Frage möchte ich heute hier nachgehen.

Warum ich färbe

Ich färbe, weil ich mich mit der Natur verbinden will. Ich möchte die Pflanzen kennen lernen, zumindest einen Teil ihres unermesslich großen Potentials. Und ich möchte mich gerne in Kleidungsstücke hüllen, die mit Pflanzenfarbe gefärbt sind, weil es mir das Gefühl gibt, dazu zu gehören. Denn, wenn ich mich mit der Natur verbunden fühle, dann werde ich ruhig und mir wird klar, was mir im Leben wichtig ist, worauf es ankommt.

Mich mit der Natur zu verbinden, lässt mich bei mir selber ankommen. Und Pflanzenfärben ist ein Teil dieses Prozesses.

Wir gehören zur Natur, wir sind ein Teil von ihr. Wir sind nicht getrennt von ihr, (da fangen nämlich die Probleme an), sondern wir sind Natur. Und weil wir Teil des Kreislaufes sind, Teil der Natur, darum sammele ich. Aber ich achte darauf, im Einklang zu sein mit der Natur, konzentriere mich auf die Pflanzen, die für die Tiere nicht so wichtig sind. Generell gilt sowieso, dass ich jede Pflanze frage, bevor ich sie sammele und dass ich versuche, etwas zurückzugeben, in dem ich z.B. immer Müll im Wald sammele und zuhause entsorge.

Was ich diesen Herbst sammele (und was nicht)

Nicht sammeln werde ich Holunderbeeren, weil die Holundersträuche sehr unter der Trockenheit gelitten haben, viele haben vertrocknete Blätter und nur sehr wenige Beeren.  Holunderbeeren sind aber eine wichtige Nahrung für viele Vögel.

Vogelbeeren haben bei uns auch sehr unter der Trockenheit gelitten, darum werde ich mich auch hier zurückhalten. Ebenso verzichten werde ich auf Brombeeren, davon sind dieses Jahr sowieso nur sehr wenige reif geworden.

Färben mit Pflanzenfarben: grüne Walnüsse
Bereit zum Färben: grüne Walnüsse aus Nachbars Garten

In unserem Garten haben die Kinder beim Spielen zwei Zweige des Weißdorns abgebrochen, auch diese Blätter und Beeren habe ich zum Färben verwendet – sonst werde ich den Weißdorn und seine Beeren aber nicht anrühren, auch sie sind eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel. Ich weiß noch, wie dieses Jahr im Januar die Wacholderdrosseln bei uns im Garten einfielen und sich an den Weißdornbeeren gütlich taten.

Was bleibt dann noch übrig? Bei meinen Sitzplatz ist neulich eine Weide umgestürzt, da habe ich mir einige Äste mit Blättern mitgenommen.

Goldrute scheint mir dieses Jahr überall stark zu blühen, sie verträgt Trockenheit gut. Da sie ein Neophyt ist, also eine nicht einheimische Pflanze, die von vielen kritisch gesehen wird, habe ich da auch nicht so viele Hemmungen.

Färben mit Pflanzenfarben: Schmetterlingsflieder
Mit den Blüten des Schmetterlingflieders gefärbte Wolle

Der Walnussbaum in Nachbars Garten hat jetzt ganz viele grüne Früchte abgeworfen, mit den grünen Schalen kann man hervorragend Färben (wie auch mit den Blättern).

Die Blüten des Schmetterlingsflieders sollten nach der Blüte sowieso abgeschnitten werden, auch damit habe ich bereits gefärbt.

 

Was ich färbe

Mit dem gesammelten Pflanzenmaterial färbe ich vor allem Wolle und alte Bettlaken. Die Wolle verarbeite ich zu Kleidungsstücken für mich und meine Familie. Das bedeutet für mich ein Stück Unabhängigkeit von der Kleidungsindustrie, die ich mit sehr kritischen Augen sehe. Die von mir verarbeitete Wolle stammt aus regionaler, nachhaltiger, tierfreundlicher Schafhaltung.

Pflanzengefärbte Kleidung
Hier trage ich meine pflanzengefärbte Herzchenweste (Anleitung Irina Heeman) und ein mit Johanniskraut gefärbtes T-Shirt

Dadurch, dass ich sie mit Pflanzenmaterial färbe, das ich direkt vor meiner Haustüre gesammelt habe, entstehen Kleidungsstücke, die einen Bezug zu meiner Heimat haben, die mich hier einheimisch werden lassen. Und diese Wurzeln zu entwickeln, mich mit dem Ort, an dem ich lebe zu verbinden, das ist in den letzten Jahren immer wichtiger für mich geworden. Zu wissen wo die Goldrute wächst, wo das Johanniskraut, wo die Weiden, das verwurzelt mich in meiner Umgebung und damit auch in meinem Leben. Die Natur zu kennen ist sich selbst zu kennen. (Oder zumindest auf dem Weg dazu zu sein, mehr über diesen Aspekt der Naturverbindung in dem Interview mit Wieland Woesler über Inner Tracking).

Und wie sieht es bei euch aus? Schaut euch mal um. Wie sieht es nach diesem Sommer bei euch aus? Was hat gelitten? Was gibt es im Überfluss? Wer hat von der Hitze profitiert? Und wer nicht? Was sammelt ihr? Und wovon würdet ihr abraten? Was ist euch wichtig?

Ich freue mich darauf, von euch zu hören.

Herzlich,

Kathrin

 

 

Vielleicht gefällt dir auch das: