Der Abhang war steil und voller Brennnesseln. Es war schwierig, ihn hinunterzugehen, man musste genau wissen, wo man hintreten durfte, sonst landete man im Brennnesselfeld. Je später der Sommer, desto größer wurden sie, desto schwieriger wurde es, den Abhang hinunterzugehen. Überall fingen wir uns jetzt rote schmerzhafte Punkte ein. Wir schmierten Zahnpasta in rauen Mengen drauf, einmal sogar eine ganze Tube. Es half alles nichts, es juckte und schmerzte weiterhin. Dennoch liebten wir den Abhang. Dort gab es Matsch in rauen Mengen, wir konnten spielen, was wir wollten. Dort waren wir Räuber und Piraten, der Abhang war unser Schiff, unser Urwald, unser Geheimversteck. Es war unser Kinderparadies – auch und gerade wegen der Brennnesseln.  Später verschwand der Abhang und mit ihm die Brennnesseln.

Brennnesseln
Brennnesseln

Ich verlor sie aus den Augen, Brennnesseln, das war für mich jetzt ein Unkraut wie für andere auch. Und auch, als ich dann zum ersten Mal einen Garten mein eigen nannte, hatte ich keinen Platz für Brennnesseln. Doch das hat sich geändert, so wie mein ganzes Verhältnis zur Brennnessel. Inzwischen schätze ich ihre Eigenständigkeit, ihre Robustheit und ihre viele positiven Eigenschaften. Aus ihren Fasern kann man Seile und Taue herstellen, mit jungen Brennnesseln können wir unseren Körper im Frühjahr so richtig reinigen, mit Brennnesselsamen liefern sie uns ganz viel Vitamine.

Außerdem kann man ganz famos mit ihr färben, darum habe ich die Brennnessel zur ersten „Färbepflanze vor der Haustür“ gemacht. Doch bevor wir zum Färben kommen, möchte ich euch die Brennnessel mit ihren vielen Gaben erstmal richtig vorstellen, damit wir auch wertschätzen können, was wir ernten.

Generell gilt: immer nur die oberen Triebspitzen, sowie die oberen 4-6 Blätter, am besten am frühen Nachmittag ernten (dann ist der Nitrat Gehalt am niedrigsten). Nie alles von einer Stelle ernten, damit sich die Pflanze wieder erholen kann. Ich frage die Pflanze auch immer vorher, ob ich sie mitnehmen darf.

Heilen:

Die Brennnessel hilft ungemein beim Entschlacken. Dafür ein paar junge Blätter sammeln, mit heißem Wasser übergießen und genießen. Ich mag den Geschmack sehr gerne. Täglich mehrere Tassen Tee über den Tag verteilt, reinigen den Körper und sind im Rahmen einer Frühjahrskur sehr empfehlenswert.

Doch nicht nur die Blätter, auch die Samen lohnen sich sehr zu sammeln. Sie enthalten sehr viele Vitamine. Man kann diese einfach im Herbst abstreifen und dann das ganze Jahr über zum Würzen,  in Smoothies oder Müslis verwenden. Ich verfeinere mein morgendliches Porridge damit.

Kochen:

Aber auch zum Kochen ist die Brennnessel gut geeignet. Demnächst möchte ich unbedingt die Brennnesselchips aus Sabine Simeonis tollem Buch „Wildes Naturhandwerk“ probieren, wo man die Brennnesseln einfach in einer Pfanne mit heißem Öl ausbrät. Weitere tolle Rezepte, wie z.B. Brennnesselsuppe oder Brennnesselrisotto findet ihr bei Sindy von Unkrautgourmet und Jeanette von Wilder Wegesrand.

Färben:

Wolle Natur und mit Brennnesseln gefärbt
Natur und mit Brennnessel gefärbt

Beim Färben nehmt ihr am am besten junge Brennnesselpflanzen. Bei mir ergeben sie ein wunderschönes Grau, das mir gut gefällt. Ältere Pflanzen färben eher Braun/Beige, darum bevorzuge ich die jungen Pflanzen. Bei euch kann es allerdings ganz anders ausfallen, das ist ja der Spaß beim Färben mit Pflanzen, dass es immer wieder überrascht.

Leider bin ich nicht gut darin, genaue Mengen zu dokumentieren (das überlasse ich gerne den professionellen Färberinnen wie Jule von Hey Mama Wolf, von der ich im Juni einen Eco-Print Kit verlosen werde). Ich sammele immer nach Gefühl und färbe dann damit, so macht es mir am meisten Spaß. Generell solltet ihr bei Brennnesseln eher mehr Pflanzengut sammeln, damit die Farbe gut rauskommt. Beim letzten Mal habe ich ca. 200 gr Brennnesseln für einen großen Topf genommen und damit 100 gr Wolle gefärbt. Eine allgemeine Anleitung zum Färben findet ihr in diesem Post.

Wolle:

Mit der Brennnessel werde ich diesen Monat vor allem Wolle färben. Da ich sehr gerne Wolle von regionalen Produzenten verwenden (Auch bei Wolle macht es einen Unterschied, ob sie aus Neuseeland von riesigen Farmen kommt oder von Schafherden, die in Deutschland auf der Weide stehen), habe ich für diesen Monat die Schafwollspinnerei Höfer als Kooperationspartner ausgesucht. Höfer verarbeitet Wolle von Merino- und Bergschafen, die um Bad Feilnbach auf der Weide stehen sowie aus dem voralpinen Raum (mehr Informationen hier). Aus deren Vlies wird Merinowolle gesponnen, sowie zahlreiche andere Artikel wie Filzwolle, Pellets und auch Fettwolle hergestellt.

Von der Wolle gibt es zwei Qualitäten, und ich freue mich sehr, dass ich 6 Knäuel der 3-fädigen naturbelassenen Merinowolle hier verlosen darf (Details weiter unten). Ich mag die Wolle sehr, habe mir letztes Jahr damit schon die Herzchenweste von Irina Heemann und diese Beinstulpen von Stephan West gestrickt. Die habe ich auch schon sehr viel getragen und weiß daher, dass die Wolle schön robust ist und nicht filzt. Trotzdem finde ich sie sehr kuschelig und damit pefekt geeignet für das folgende Projekt:

Vivid Blanket

Die Vivid Blanket ist eine wunderschöne Decke von Tincan knits (das Muster gibt es hier bei Ravelry). Auf sie gekommen bin ich durch meine Freundin Mimi, die den yarnchix Video Podcast und das yarnchix Zine macht. Sie wiederum wurde inspiriert von Fran aus der Bretagne, die nicht nur Wolle färbt, sondern auch die Mohair Materialien für ihre handgenähten Teddies. Diese Teddies sind wirklich extrem schön und ihr könnt sie hier finden.

Mit Birkenblättern (gelb), Weißdornblättern (rosa) und Brennnesseln (grau) gefärbte Wolle.
Mit Birkenblättern (gelb), Weißdornblättern (rosa) und Brennnesseln (grau) gefärbte Wolle.

Aus ihrer Idee, die Vivid Blanket zu stricken, entstand die Vision einer gemeinsamen Decke, einer Freundschaftsdecke, sozusagen. Fran und Mimi werden sich gegenseitig die Wollqualitäten schicken, die sie für die jeweilige Decke verstricken und anteilig für die andere mitfärben. So ergibt sich die Möglichkeit, die unterschiedlichen Farbresultate miteinander zu vergleichen. Fran verwendet dafür Wolle, die sie aus Ihrer letzten Heimat, den Pyrenäen, mitgebracht hat. Mimi wird mit Finkhofwolle dick arbeiten, die biologisch im Allgäu entsteht. Sie wird die auf dem Blog vorgestellten Pflanzen für das Färben verwenden, und diese in ihren yarnchix Video Podcast besprechen und zeigen.

Ich finde die Idee von Mimi und Fran einfach großartig und wer weiß, vielleicht habe ihr ja eine Freundin, mit der ihr gemeinsam die Decke stricken wollt? Ich würde mich auf jeden Fall sehr freuen, wenn auf diese Weise viele pflanzengefärbte Freundschaftsdecken entstehen würden. Meine ersten beiden Quadrate ist schon fertig und mir gefällt das Muster extrem gut.

Zur Verlosung:

Wolle von Schafwolle Höfer

Diese tolle Wolle von Schafwolle Höfer könnt ihr gewinnen. Es sind 6 Knäuel, insgesamt 600 gr Wolle. Die Wolle eignet sich gut für die Decke, aber auch für traditionelle Janker oder warme Pullover.  Wenn ihr an der Verlosung teilnehmen wollt, kommentiert bitte unten auf dem Blog, wofür ihr die Wolle verwenden wollt.  Die Auslosung erfolgt am 07.05.18 um 10.00 Uhr. (Teilnehmen kann jeder über 18 Jahren mit Wohnsitz in Deutschland).

Ich wünsche euch viel Erfolg bei der Verlosung und bin schon ganz gespannt, auf eure Färbungen mit Brennnessel. Wenn ihr mögt, zeigt sie uns doch unter dem Hashtag #Färbepflanzenvorderhaustür auf Instagram.

Eure Kathrin

P.S. Wenn Grau nicht euer Fall ist: Demnächst zeige ich euch, wie man mit heimischen Pflanzen ein wunderschönes Rosa färbt. Auch da wird es wieder etwas Tolles zu gewinnen geben. Wenn ihr diese und die anderen Verlosungen nicht verpassen wollt: Einfach unten auf der Seite auf abonnieren klicken, dann bekommt ihr immer Bescheid, sobald ein neuer Blogpost erscheint.

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